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Zum badischen Derby reisten die Südbadener aus Freiburg nach Nordbaden zur TSG Hoffenheim. Das
Spiel stellte zugleich eine Partie einiger Spieler gegen den Ex-Verein dar. TSG-Torhüter Baumann spielte viele Jahre für den Sport-Club, Gulde, Haberer und Terrazzino für Hoffenheim. Terrazzino, der bis zu Beginn der aktuellen Saison noch bei den Kraichgauern unter Vertrag stand, ist es gleich der zweite Anlauf bei
den Freiburgern. War er bei seiner ersten Zeit beim SCF noch von Verletzungen geprägt, in der der gebürtige Mannheimer kaum zu Einsatzzeiten kam, so setzt Trainer Streich in der laufenden Spielzeit
auf „Terra“.
Nachdem Hoffenheim im Kampf um die internationalen Plätze in der Vorwoche einen Dämpfer erhalten hatte, ging es für die Mannschaft um Trainer Nagelsmann um viel. Neben der Brisanz des Derbys kam zusätzlicher Druck durch die Tabelle. „Nur“ Platz neun und die Gefahr weiter durchgereicht zu werden.
Das Anspruchsdenken ist bei der TSG nach dem Erfolg der Vorsaison gestiegen. Wie TSG-Präsident Hofmann gegenüber bwa-sport.de sagte, sehe er keinen Widerspruch darin, als Ausbildungsverein europäisch zu spielen.
Um dies aber in der kommenden Saison tun zu können, war es schier unerlässlich am 24. Spieltag einen Heim „Dreier“ einzufahren. Doch die Gäste konnten durch den Heimsieg des vergangenen Spieltages mit breiter Brust in den Kraichgau reisen. Auch die bisherige Bilanz der beiden Mannschaften schlägt zugunsten der Freiburger aus. Nach 18 gespielten Duellen (15x Bundesliga, 2x 2. Bundesliga,
1x DFB-Pokal) konnten die Blau-Weißen vier Spiele gewinnen, wovon allerdings drei Heimsiege waren. Neben acht Punkteteilungen konnte der SC hingegen sechs Partien für sich entscheiden (fünf Heimsiege). Ein kleiner Pluspunkt also, dass die TSG zuhause antreten konnte?
Ein Offensivfeuerwerk bot sich zu Spielbeginn erwartungsgemäß nicht. Beide Mannschaften agierten defensiv solide, ließen aber in der Offensive den einen oder anderen Fehler zu, wodurch es der
gegnerischen Mannschaft einfach gemacht wurde. Dies wiederum rief beide Trainer auf den Plan, die
wild gestikulierend Anweisungen von außen gaben. Die erste nennenswerte Offensivaktion hatten die Gastgeber in der 10. Spielminute. Kaderábek kam über die rechte Außenbahn durch und konnte flanken,
in der Strafraummitte fand der Ball des tschechischen Nationalspielers allerdings keinen Abnehmer. Die Gäste gingen teilweise in den Zweikämpfen ruppig zu Werke. Dies bekam auch Geiger zu spüren, gegen
den Höler regelwidrig zu Werke ging. Schiedsrichter Dingert beließ es allerdings bei einer Ermahnung (14.).
Es dauerte bis in die 31. Spielminute, ehe wieder eine Strafraumsituation zu verzeichnen war. Kramaric konnte über die linke Seite flanken. Die Hereingabe erreichte Zulj in der Mitte, der Offensivspieler kam
aber nur mit der linken Schulter an den Ball und das runde Leder flog links am Tor vorbei. Wenn etwas für
die TSG ging, dann war dies meist über die Außenbahnen der Fall. Nach einem langen Ball aus der eigenen
Hälfte kam Kaderábek auf der linken Außenbahn an das Spielgerät, musste zwar abbrechen, konnte aber
zu Zulj passen. Der Österreicher konnte flanken, doch die Hereingabe fand keinen Abnehmer (38.). Die
beste Torgelegenheit bot sich kurz vor der Pause. Gnabry konnte an der Grundlinie in den Strafraum
eindringen und fand mit seinem Pass Geiger, der abzog. Schwolow aber konnte seine Farben mit einer
Parade vor dem Rückstand bewahren (41.). Nun waren die Hoffenheimer in der Partie. Kramaric flankte auf
den langen Pfosten, an dem sich Günter verschätzte und so Kaderábek zum Abschluss kam. Aus etwa vier
Metern flog der Ball aber deutlich über das Gästetor (44.). So ging es torlos zum Pausentee.
Hier schien Nagelsmann die deutlicheren Worte gefunden zu haben. Seine Mannschaft war es nämlich, die griffiger aus der Kabine zurückkam. Für die Gastgeber kam Gnabry so zu einer Doppelchance. Zunächst konnte der von Geiger vorbereitete Torschuss zu einer Ecke geklärt werden (51.), die Standardsituation wurde zu Gnabry am Strafraum abgewehrt, doch der Schuss flog deutlich über den Kasten von Schwolow (52.). Es war für die Partie bezeichnend, dass es eine Standardsituation richten musste. Kramaric, zuletzt Torgarant bei den Kraichgauern, legte sich das runde Leder zurecht,
zirkelte dieses genau über die Mauer und ließ Schwolow beim Einschlag in die Mauerecke keine Abwehrchance (57.).
War die TSG mit der Führung im Rücken etwas besser im Spiel, so verschuldete Kapitän Vogt einen Elfmeter für die Gäste. In der 65. Spielminute ging
der sonst stabile Rückhalt der Hausherren zu ungelenk in den Zweikampf mit Petersen. Der Top-Torschütze der Breisgauer fiel und Schiedsrichter Dingert zögerte keinen Moment mit dem Pfiff. Der Gefoulte trat selbst an und während Torhüter Baumann aus Schützensicht nach links sprang, versenkte Petersen
den Ball rechts (66.). Kamen die Hoffenheimer nach behäbigem Spielaufbau in den Strafraum, so war Gefahr geboten. Nach einem Lupfer konnte Kaderábek
in der 75. Minute per Kopfball für eine Torchance sorgen, doch die Latte rettete für den bereits geschlagenen Schwolow.
Die TSG versuchte weiter den Führungstreffer zu erzielen. Zunächst versuchte es Grillitsch aus der Distanz, doch Schwolow konnte das Spielgerät zur
Seite abfälschen. Der Nachschuss von Geiger flog aber nur ans Außennetz (84.). Dies war die letzte Chance der Partie, die trotz mehr Spielanteilen bei
den Hoffenheimern nur Remis endete. So tritt Hoffenheim erneut auf der Stelle, während der Tabellenabstand zu den Mannschaften unter der TSG
schrumpft. Während Kapitän Vogt nur „heute nicht“ sagte, während er durch die Mixed Zone schritt, mahnte Gnabry, dass die Mannschaft in der Saison
24 Punkte liegen gelassen hätte. Auch wenn die Spielanlage in der Folgewoche beim FC Augsburg ähnlich sei, ginge es allerdings darum, die Chancen,
die sich ergeben würden, auch zu nutzen.
Auf die Pfiffe während und nach dem Spiel merkte Gnabry an, dass er diese nicht wahrgenommen hätte. Mannschaftskollege Kaderábek hatte sie gehört
und merkte an, dass er den Unmut der Fans nicht verstehe. Dennoch sei Freiburg mit keinem Torschuss zu einem Treffer gekommen. Torschütze Kramaric hielt es nach dem Spiel ähnlich wie Vogt. Mit der Aussage „ich kann heute nichts sagen“, die dieses Mal auf Deutsch erfolgte, verabschiedete er sich.
Nach dem Auswärtsspiel in Augsburg kommt der abstiegsbedrohte VfL Wolfsburg nach Sinsheim. Ob der Anschluss an die oberen Tabellenplätze gehalten oder verringert werden kann, wird sicher auch einen Einfluss auf die Stimmungslage bei den Fans geben.
Aufstellungen:
TSG 1899 Hoffenheim:
1 Baumann, 3 Kaderábek, 11 Grillitsch, 20 Zulj (61. 7 Rupp), 21 Hübner, 22 Vogt (C), 25 Akpoguma (82. 16 Schulz), 27 Kramaric, 28 Szalai (71. 19 Uth),
29 Gnabry, 32 Geiger
SC Freiburg:
1 Schwolow, 4 Söyüncü, 5 Gulde, 6 Abrashi, 9 Höler (76. 16 Ravet), 13 Terrazzino (58. 38 Kath), 15 Stenzel, 18 Petersen (C),
19 Haberer (90.+2 34 Kleindienst), 25 Koch, 30 Günter
Schiedsrichter: Dingert (Lebecksmühle)
Assistenten: Christ, Gerach
Vierter Offizieller: Storks
Video-Assistenten: Aytekin, Aarnik
Tore: 1:0 57. 27 Kramaric, 1:1 66. 18 Petersen (Foulelfmeter)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)