Im Rahmen der Auslosung des SAP-Cups haben wir ein Interview mit dem Vizepräsidenten des Badischen Fußballverbandes, Heiß, gegführt:
Beim SAP-Cup sind einige badische Mannschaften dabei. Durch die Auslosung sind einige Mannschaften zusammengelost worden. Wie fällt Ihr Fazit der Auslosung aus?
Anhand der Konstellation kann man nichts sagen. Die Gruppenphase zu überstehen ist das Wichtigste. Hallenfußball ist nicht mit dem Fußball im Freien zu vergleichen. Hoffenheim als Lokalmatador wird aber sicherlich die beste Truppe schicken und auch gewillt sein am Schluss zumindest im Finale zu stehen. Ob es dann auch klappt hängt auch von Kleinigkeiten ab. Da braucht man auch etwas Glück dazu. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass es ein Event wird – das ist sehr wichtig. Für uns als Verband ist das ganz wichtig, dass es ein Event ist, dass es nach außen Transportiert, dass der Frauenfußball dazugehört – wie der andere Fußball auch. Wir sind froh, dass wir solche Leute vor Ort haben, die so etwas organisieren und die das auch toll machen. Das Teilnehmerfeld sagt ja eigentlich alles.
Da Sie die Teilnehmerzahl ansprechen. In der Frauen-Bundesliga sind Sand, Freiburg und Hoffenheim vertreten. Die Zuschauerzahlen bewegen sich bei den Spielen aber meist nur im dreistelligen Bereich. Würden Sie sich persönlich mehr Zuschauer wünschen?
Natürlich gehören da mehr Zuschauer dazu. Wir sprechen da von Profimannschaften und es ist eigentlich
unverständlich, dass bei einem Hoffenheim-Spiel in der ersten Bundesliga nur 2.000 Zuschauer sind und
bei Spielen von den Profis bei den Männern, was ja die gleiche Klasse ist, 25.000, 30.000 Zuschauer. Aber
es ist eine Entwicklung. Es ist schwierig, man muss immer weiterarbeiten aber leider hat der Boom nach
der Weltmeisterschaft 2011 nicht das gebracht, was wir uns erhofft haben – schade darum. Es wird vor Ort
tolle Arbeit geleitstet. Es ist ein hartes Brot, was da geknabbert werden muss – ohne Zweifel – aber man
muss immer weiter dranbleiben. Aber da gehören zum Beispiel solche Veranstaltungen dazu.
Auch der Olympiasieg hat nicht die Zuschauerströme gebracht. Vereinzelt waren mehr Zuschauer
in den Stadien aber auch nicht Konstant.
Das ist richtig. Aber es ist auch eine gesellschaftliche Entwicklung, die man feststellen kann. Da wo der
„Hype“ ist rennen noch mehr hin – hier geht es oftmals auch nicht um die technische Spielart der Frauen,
sondern die Leute sind eben Eventorientiert. Da gibt es dann viele Fans die sagen: „3.000 Zuschauer, das
reizt mich nicht.“ Wenn einmal das Stadion voller wäre, dann würden auch mehr Zuschauer kommen. Dies
ist aber dem „Eventcharakter“ in der Bevölkerung geschuldet.
Gibt es auch Hebel, die von der Verbandsseite angesetzt werden können? Vorletztes Jahr –
2015 – wurden die Teilnehmer im Rahmen der Kleeblatt-Aktion in das Dietmar-Hopp-Stadion
eingeladen.
Uns liegt sehr daran, den Frauenfußball auch auf Verbandsebene publik zu machen. Wir haben
organisatorisch die Frauen im Spielbetrieb eigenständig gemacht – im AFM (Ausschuss für Frauen und
Mädchen). Hier sollen Frauen auch nach außen hinzeigen, dass sie für den Frauenfußball da sind. Dies sind
aber die ersten Schritte. Es geht nicht von heute auf morgen. Es ist ein langer Weg, der gegangen werden
muss – manchmal auch ein steiniger Weg, manchmal auch ein harter Weg. Ich schaue mir aber gerne den
Frauenfußball an!
Sie haben auch schon die Männer angesprochen. Hier in der Region spielen der SV Sandhausen
und Hoffenheim bislang eine super Saison. Wie verfolgen Sie die Vereine?
Sandhausen ist überragend. Was Sandhausen auf die Füße stellt. So langsam bekommt Sandhausen auch
national einen Charakter. Für viele ist es nicht mehr nur der „Dorfverein“ sondern ein ernstzunehmender
Konkurrent – das haben sie sich erarbeitet. Hoffenheim ist eine Bestandsaufnahme. Das wissen die
Hoffenheimer Funktionäre aber auch sehr gut einzuschätzen, dass es zurzeit super läuft – ohne Zweifel –
aber das es auch schnell wieder anders sein kann. Deshalb freut es uns – auf alle Fälle freut es uns – man
darf aber nicht vergessen, dass es auch durch die Sportförderung in der Region, da gehört ja auch die
Metropolregion dazu und da möchte ich auch den KSC nicht vergessen mit den Nachwuchsleistungszentren,
dass wir als kleiner Verband überragend aufgestellt sind. Für uns sind die kurzen Wege im Männer- oder
Jungenfußball mit den Nachwuchsleistungszentren so vorhanden, wie man sie sonst nirgends findet – außer
im Ruhrgebiet. Das zieht sich dann auch nach unten. So profitiert auch der Waldhof und auch Walldorf davon.
Wir sind ja nicht nur im Herrenfußball gut aufgestellt, sondern auch in der Jungend. Gerade wenn man einen
Blick auf die B-Junioren-Bundesliga wirft mit dem KSC, mit Hoffenheim, mit Sandhausen die dabei sind.
Sie haben den KSC bereits angesprochen, unweit der Sportschule Schöneck. Sportdirektor
Kreuzer hat nun Slomka als Trainer verpflichten können. Wie sehen Sie den KSC?
Als Außenstehender muss man die Verpflichtung als „Königsdeal“ sehen – ohne Zweifel. So jemanden wie
Slomka zu kriegen, das hat Kreuzer gut gemacht. Aber man muss abwarten, wie sich das ganze entwickelt.
Der KSC gehört auf jeden Fall in die zweite Bundesliga – allein vom ganzen Umfeld her. Sie werden es auch
Packen in der zweiten Bundesliga zu bleiben! Aufsteigen ist natürlich Wunschdenken, da gehört auch die
Infrastruktur dazu, da gehört das Stadion dazu – da haben sie jetzt den nächsten Schritt gemacht – aber
dann muss man schauen, wie es sich entwickelt. Der KSC gehört aber mindestens in die zweite Bundesliga.